Seyssaud – Nelken in grüner Vase
René Seyssaud
(1867 Marseille – 1952 Saint-Chamas)
NELKEN IN GRÜNER VASE
Öl auf Leinwand, 41 x 33 cm
Signiert rechts unten: Seyssaud
Provenienz:
Sammlung Georges Couturat (1890-1948)
René Seyssaud, Maler und Dichter der Provence und einer der interessantesten Künstler des Postimpressionismus, ist immer noch ein Geheimtipp. Seine Künstlerausbildung erhielt er zwischen 1879 und 1895 an den Écoles des Beaux-Arts Marseilles und Avignons. Als er 1885 erstmals mit der Gruppe der Indépendants in Paris ausstellte, wurde Paul Guigou, Kunstschriftsteller und –kritiker, auf ihn aufmerksam und zu seinem Förderer. Die Reaktionen des Publikums waren dagegen anfänglich zwiespältig, was ihn aber unbeeindruckt ließ: „Die Bilder, die ich ausstelle, werden von einigen schrecklich und von anderen wiederum sehr schön gefunden; das bedeutet Erfolg. Nur die Mittelmäßigen verstören und begeistern niemanden“ (Brief an die Mutter 1887). Und mittelmäßig war er nun wirklich nicht! Die Bestätigung seines künstlerischen Wegs dürfte er spätestens 1892 in der Vincent van Gogh-Ausstellung der Galerie Le Barc de Boutteville in Paris bekommen haben, malte doch van Gogh die Blumensträuße und provenzalische Landschaften in einem seinem eigenen vergleichbaren, emotionsgeladenen, individuellen, kraftvollen, farbintensiven und pastosen Stil. 1897 richtete Le Barc de Boutteville Seyssaud die erste Einzelausstellung aus. Seine zweite fand 1899 bei Vollard statt, die dritte zwei Jahre später bei Bernheim-Jeune. In den 1920ern kamen Druet und Rosenberg hinzu. Dass sich die wichtigsten Galeristen der Moderne für ihn interessierten, ist ein deutliches Indiz für sein Talent und die Einzigartigkeit seiner Malerei. Er war international vertreten und auch der französische Staat wurde auf ihn aufmerksam und tätigte Ankäufe. 1903 nahm Seyssaud am neugegründeten Salon d’Automne teil, bei dem sich der Fauvismus zu formieren begann. Er hatte diesen Stil durch seine Malerei mit vorbereitet, schloss sich der Gruppe der Fauvisten aber nicht an, da ihm seine Unabhängigkeit zeitlebens ihm über alles ging. Sein Herz schlug für die Provence, die er unermüdlich malte, eine Leidenschaft, die ihn mit Paul Cézanne verband, dessen Werk er neben dem Vincent van Goghs wohl am meisten bewunderte. Weil er sich von den Pariser Kunstkreisen fernhielt, blieb ihm der internationale Durchbruch versagt. In Frankreich zählt er zu den großen Künstlern. Für den Rest der Welt ist er eine grandiose und lohnende Wiederentdeckung.
Bei seinen virtuosen Stillleben trug er die Farbe kraftvoll und pastos auf und erweckte damit die Blumen künstlerisch zum Leben. „Nelken in grüner Vase“ sind zwar klein im Format, aber riesig und kraftvoll in der Wirkung und Ausstrahlung.