Dufy – Gelbe Kornähren auf blauem Grund
Raoul Dufy
(1877 Le Havre – 1953 Forcalquier)
GELBE KORNÄHREN AUF BLAUEM GRUND
(STOFFENTWURF FÜR BIANCHINI-FERIER)
Gemalt in den 1920er Jahren
Gouache auf Papier, 21 x 21 cm
Monogrammiert und bezeichnet rechts unten: RD (Raoul Dufy) Bianchini-Férier
Provenienz:
Sammlung der Manufaktur Bianchini-Férier, Lyon
Expertise von Fanny Guillon-Laffaille, Paris
Raoul Dufys Werke wirken poetisch, charmant, lebendig und immer leicht und unangestrengt. Nur wer weiß, wie schwer das Leichte ist, kann seine Leistung angemessen würdigen. In eine der spannendsten Zeiten der Kunstgeschichte hineingeboren, stand er als junger Künstler vor der Aufgabe, aus der Vielfalt der Möglichkeiten das Richtige für sich auszuwählen und zu seinem eigenen Stil zu finden. Aus dem Schüler Boudins und der Impressionisten wurde zunächst einer der führenden Fauvisten. 1909 vertrieb die Beschäftigung mit Cézanne und dem Kubismus kurzzeitig die Buntfarben aus seinen Bildern, woraufhin seine Karriere in der Krise steckte. Um Geld zu verdienen, illustrierte er Bücher befreundeter Dichter wie Guillaume Appollinaires „Bestiaire ou le Cortege d‘ Orphée“, die Paul Poirets Interesse erregten. Der Modeschöpfer erkannte die Modernität der Holzschnitte und vor allem deren Tauglichkeit für einen avantgardistischen Stoffdruck. Dufy gefiel die Idee ebenfalls, da Poiret ihm künstlerisch freie Hand ließ, und so entwickelte sich eine 20jährige freundschaftliche Zusammenarbeit, die sich für Dufys Kunst als ideales Experimentierfeld entpuppte.
Ein Jahr lang bedruckten die beiden im eigenen Atelier, „La Petite Usine“, am Boulevard de Clichy 141 in Paris Seide, Brokat und Samt mit von Dufy entworfenen Motiven und hoben den einfachen Stoffdruck in den Rang eines Luxusprodukts. Danach warb die Lyoner Seidenweberei Bianchini-Férier Dufy ab. Das Motivrepertoire – Regatten, Seestücke, Pferderennen, Flora und Fauna etc. – bestimmte in Zukunft auch Dufys malerisches Oeuvre. Durch die technische Beschränkung, die ihm der Stoffdruck auferlegte, gewann er grundlegende künstlerische Erkenntnisse: Er trennte Farbe und Zeichnung, entdeckte, dass Farbe gleich Licht sein kann, ordnete die Farben nach ihrem Lichtgehalt und entwarf seinen eigenen Zeichencode – Poiret nannte ihn „Alphabet“ – für Pflanzen, Wasser, Erde, Wolken, Gebäude, Schiffe, Tiere, Figuren. Überhaupt kehrte er zu Farbe, Freude und Unbeschwertheit zurück.